Narben erzählen Geschichten
by Jürgen Niederauerpublished on
Nicht jeder Teil unseres Körpers muss makellos sein. Manche tragen Spuren, die bleiben. Sichtbar oder verborgen. Manche erzählen von Unfällen, andere von Operationen, Krankheiten oder schweren Zeiten. Und manche erinnern uns einfach daran, dass das Leben nicht immer spurlos an uns vorbeigeht.
Trotzdem versuchen wir oft, genau diese Spuren zu verstecken. Wir kaschieren, retuschieren und bearbeiten Bilder, bis die Haut wieder glatt erscheint. Als wäre eine Narbe etwas, das nicht gezeigt werden darf. Als würde sie einen Menschen weniger schön machen.
Aber warum eigentlich?
Eine Narbe ist kein Makel, den man korrigieren muss. Sie ist ein Teil unseres Körpers und damit auch ein Teil von uns. Sie muss nicht schön sein, keine besondere Geschichte erzählen und niemandem etwas beweisen. Sie darf einfach da sein.
Gerade in einer Welt, in der Bilder ständig optimiert werden, möchte ich Menschen so zeigen, wie sie wirklich sind. Ohne Photoshop, ohne künstliche Perfektion und ohne den Anspruch, etwas verstecken zu müssen. Mit all den Spuren, die das Leben hinterlassen hat.
Denn Fotografie kann mehr sein, als ein möglichst perfektes Bild zu erschaffen. Sie kann zeigen, was sonst oft verborgen bleibt. Sie kann helfen, den eigenen Körper mit anderen Augen zu betrachten und zu erkennen, dass wir nicht erst etwas verändern müssen, um gut genug zu sein.
Deine Narbe macht dich nicht weniger schön. Sie macht dich nicht weniger wertvoll. Und du musst sie niemandem erklären.
Zeig dich, wie du bist. Mit deinen Narben, deinen Besonderheiten und allem, was dich ausmacht.
Fuck Perfektion. Echt ist gut genug. Du bist gut genug.








